Spontanes Entzücken im eingespielten Alltag

Spontanes Entzücken im eingespielten Alltag

Was gibt es Entzückenderes als eine Begegnung von Mensch zu Mensch ? Einen Moment der Verbundenheit, ein Blick in etwas Verborgenes. Einen Moment, bei dem die Grenzen zwischen Du und Ich weicher werden und etwas von hier nach da und zurück schwappt. Lies hier über die flüchtige Kostbarkeit dieses Momentes.

Für meine Praxis kaufe ich regelmässig Mineralwasser ein. Das Leitungswasser in unserem Haus schmeckt mir nicht. Damit ich nicht nur meinen Klientinnen zu genügend Wasserkonsum rate, sondern selber auch ausreichend trinke, versuche ich es nun mit dem besten aller Mineralwasser. Mein ganz persönlicher Trink-Motivations-Kick.

Einmal im Monat, ich arbeite dann auswärts, besorge ich mir meinen Vorrat. Ich mag eigentlich die Self-Auscheck Stationen in den Supermärkten ganz gern. In aller Ruhe kann ich da meine sieben Sachen einscannen ohne von hinten schon den Atem des nachfolgenden Kunden oder der Kundin zu spüren.

Die Routine

Mein Lieblingsmineralwasser kaufe ich in einem kleinen Laden – so klein, dass es auch keinen Self-Auscheck gibt. Die Frau an der Kasse ist mir längst vertraut, kaufe ich doch regelmässig jeden Monat ein paar Artikel nach der Arbeit ein. Mir ist nicht bekannt, ob sie auch mich kennt – es gibt keine Hinweise dafür.

Sie ist ganz bestimmt eine sehr gewissenhafte und gute Mitarbeiterin. Stets sorgt sie mit geschickten Bewegungen dafür, dass die Kaufabwicklung zügig vorwärts geht und keine lange Schlange an ihrer Kasse entsteht.

Das Restgeld zählt sie mir korrekt heraus und verabschiedet sich mit einem immer gleichen Gruss.

Jedoch – Nichts hat je darauf hingedeutet, dass sie mich als ihr gegenüber wahr nimmt oder der Gruss sogar tatsächlich mir gilt und nicht irgend einem Phantomwesen, das irgend wo im Raum schwebt.

Die Überraschung

Ich komme also mit meinem grossen 6er Pack Wasser und ein paar Kleinigkeiten an die Kasse und erwähne, dass sie das Pack nicht heben braucht und ich es selber vom Fliessband nehmen werde.

Da geschieht etwas, das ich so nicht erwartet hätte. Die Frau schaut auf, sieht mich an, lächelt mir zu, bedankt sich herzlich und beginnt mir zu erzählen, ja – wie schwer gewisse Sachen seien. Die Bierharasse zum Beispiel, das gehe ganz schön in die Arme. Sie erklärt mir genau, was wie belastend sei.

Dabei lächelt sie mich kontinuierlich an und ich staune, lächle zurück, wohl etwas verwirrt über diese neue Bezogenheit und die veränderte Stimmungslage.

Jede Begegnung
lädt uns ein
zu uns selbst.

Anke Maggauer

Am Abend nach meiner Arbeit gehe ich gewöhnlich nochmals in den Laden. Ich gönne mir dann etwas speziell Feines, ein mal im Monat. Es ist mein Ritual, mich von diesem Arbeitsort zu verabschieden und auf den Heimweg zu gehen.

Und jetzt ?

Schon in Erwartung wieder eine nette Begegnung zu haben, einen Wiedererkennungseffekt, ein wissendes Zublinzeln … irgend etwas, das an die vormittägliche herzhafte Begegnung anknüpfen würde.

Da habe ich leider weit gefehlt. Die Frau ist zurück in ihrem Alltagsschema, spult routinemässig die Kundinnen und Kunden durch – auch mich. Es fehlt kein Abschiedsgruss, ob er mir wirklich gilt, bezweifle ich.

Aber und dieses Aber ist die Hauptsache des Artikels heute. Es gab sie, die Begegnung – von Frau zu Frau; von Mensch zu Mensch. Und dieser eine Moment ist es wert, einen ganzen Artikel darüber zu schreiben. Ich werde fortan immer daran denken, wenn ich die Kassierin sehe und der Möglichkeit Raum lassen auf eine erneute entzückende Begegnung mit ihr.

Dem Wunder,
leise,
wie einem Vogel
die Hand hin halten.

Hilde Domin

Und hier noch meine Reflexionsfrage für dich: Wie kannst du dich öffnen für das Entzücken in deinem Alltag ?

Ich freue mich auf Kommentare und habe noch etwas zu sagen

Mein grosses Anliegen ist es, Menschen dabei zu unterstützen, ihr Leben voll und ganz zu umarmen, den kleinen Ärgernissen mit einem Lächeln zu begegnen und aus grossen Turbulenzen gestärkt hervor zu gehen. Meine Onlinekurse sind ein einfaches Mittel dazu.

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2 Kommentare zu Spontanes Entzücken im eingespielten Alltag

  1. Liebe Doris,
    Das ist doch voll in Ordnung – wir werden solche Begegnungen auch jetzt, wo sie seltener werden müssn, und später benötigen 🙂 Und vielen Dank für die eingestreuten Gedichte!

    Ich habe mir etwa zur selben Zeit auch so eine Begegnung notiert:

    Montagmorgen, auf dem Weg ins Geschäft passiere ich die Haltestelle Obertor. Gerne grüsse ich andere Passantinnen und Passanten, wenn ein Blickkontakt entsteht, und lächle, oder versuche es wenigstens … eine Mutprobe für mich, denn meist kommt nichts zurück, ein abwesendes Alltagsgesicht. Aber keute Morgen kreuzt eine Frau meinen Weg, ca. 50, blonder Kurzhaarschnitt, lockere helle Kleidung – ich bin ihr hier sicher noch nie begegnet, und strahlt völlig unvermittelt zurück, geradezu überwältigend. Wir lächeln. Es lächelt.
    Freundlichkeit ist ein Medium, in dem wir uns gegegnen, keine Eigenschaft, im tiefsten Kern nichts, was ich machen könnte.

    [Nachsatz: Selbstverständlich, unvermeidlicherweise, habe ich dann auch die entsprechenden Stellen in Byung-Chul Han’s Philosophie des Zen-Buddhismus wieder gefunden 😉 Aber es geht hier nicht um ein Wissen, oder um die Bestätigung eines Wissens, sei es auch noch so einfühlsam formuliert – es geht um die Erfahrung selbst.]

    Vielen Dank und liebe Grüsse

    Cornel

    • Vielen Dank für deinen wertvollen Kommentar, Cornel. Wie schön, dass du gleich selbst noch so ein Beispiel gefunden hast.

      Ja, gerade jetzt sind Begegnungen so kostbar. Dann, wenn wir auch auf Distanz unsere Bezogenheit ausdrücken können und im Gegenüber den Menschen sehen, die oder der sie ist.

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